Die Dresdner Frauenkirche, ist wohl eines der schönsten Bauwerke der Welt

- Unsere "Alte Dicke" lebt wieder -  

Geschichtssplitter bearbeitet von: Hans-Jürgen Haupt 2006                                                                                                         

  Bereits im 11. Jahrhundert befand sich  an der Stelle der heutigen Frauenkirche die älteste Kirche Dresdens. Sie war Ausgangspunkt für die Mission der umliegenden slawischen Siedlungen. Die Kirche trug zu Ehren Marias, der Mutter Jesu, den Namen „Unser Lieben Frauen“. Ein alter Stich am Anfang des 18. Jahrhunderts zeigt das über die Zeiten mehrfach umgebaute Gotteshaus mit einem umgebenden Friedhof. Die Vorgängerkirche „Zu Unser Lieben Frauen“ – Kupferstich von Moritz Bodenehr Schließlich war die Kirche für die wachsende Zahl der Gottesdienstbesucher zu klein und sehr baufällig. Deshalb beschloss der Rat der Stadt Dresden im Jahre 1722, mit Zustimmung des sächsischen Kurfürsten, eine neue Kirche zu bauen. So wurde Ratszimmermeister George Bähr mit der Planung, dem  Bauentwurf und deren Ausführung  eines Neubaus der Kirche "Zu unser lieben Frauen" beauftragt. Der Entwurf sah einen Zentralbau auf quadratischem Grundriss unter einer gewaltigen Kuppel vor.  Am 26. August 1726,  nach vierjähriger Planungsphase, wurde der  Grundstein der neuen Frauenkirche gelegt und der Bau unter seiner Leitung begonnen. Sein Hauptwerk war die Frauenkirche in Dresden 1726-43,  die größte protestantische Kirche in Deutschland. Zusätzlich beaufsichtigte Bähr von 1732-39  den Bau der ursprünglich von Pöppelmann entworfenen Dreikönigskirche in Dresden-Neustadt.  Leider konnte der Ratszimmermeister sein Meister- werk, die Frauenkirche, nicht vollendet sehen, da er am 16. März 1738 verstarb. Als Todesursache wurde laut offizieller Kirchenbucheintragung "Steckfuß und Verzehrung" angenommen. Tatsächlich sind die Umstände seines Todes aber bis heute ungeklärt. George Bähr hatte sein Ziel, dass die Frauenkirche von Grund aus bis oben hinauf gleichsam nur ein einziger Stein  sei, fast verwirklich. Schon 1734 wurde die Kirche eingeweiht jedoch noch ohne Orgel und mit provisorischem Altar. In den darauf folgenden Jahren bis 1738 wurde die Steinkuppel vollendet. Die barocke Ausgestaltung des Altarraums übernahm Johann Gottfried Feige, die Ausmalung der Kuppel Giovanni Battista Grone. 1736 ertönte in der Kirche erstmals die Silbermannorgel, auf der am 1. Dezember 1736 auch Johann Sebastian Bach spielte. Die als „Steinerne Glocke“  berühmt gewordene Kuppel der Frauenkirche war nicht nur die Krönung der Stadtsilhouette Dresdens, sondern auch eine geniale baumeisterliche Leistung. Als bedeutendster Kuppelbau nördlich der Alpen und Wahrzeichen evangelischen Kirchenbaus zählt die Dresdner Frauenkirche zu den wichtigsten Werken europäischer Kultur- und Baugeschichte. 

George Bähr

Der am 15. März 1666 in Fürstenwalde (Erzgebirge) geborene Bähr wurde nach Wanderschaft als Zimmermannsgeselle 1693 in Dresden ansässig. Er begann als Zimmermann und wurde 1705 oberster Ratszimmermeister der Stadt Dresden. Nebenher studierte er Mechanik. Er wurde zum führenden protestantischer Barockarchitekt in Dresden. 1705 bis1708 begann er mit seinem ersten Bau und errichtete die Pfarrkirche von Dresden-Loschwitz auf lang gestrecktem, achteckigem Grundriss und anschließend 1710 die Waisenhauskirche. Den beiden folgten die Kirchen in Schmiedeberg (1713-16) und Forchheim (1719-26). Beiden Kirchen im Erzgebirge legte er die Form eines griechischen Kreuzes zugrunde. 1722 wurde George Bähr mit der Planung eines Neubaus der Kirche "Zu unser lieben Frauen" Dresden beauftragt, welcher er in den folgenden Jahren baulich auch fast zu Ende führte. Es sollte die größte protestantische Kirche in DeutschlandImage14.jpg (7759 bytes) werden.  Leider konnte der Ratszimmermeister sein Meisterwerk nicht vollendet sehen.  Am 16. März 1738 verstarb George Bähr in Dresden, sein Bauwerk die "Steinerne Glocke" stand kurz vor seiner Vollendung. 

Sein Grab befand sich auf dem Johannisfriedhof vor dem Pirnaischen Tor. 1854 wurden die sterblichen Überreste Bähr`s  in die Gewölbe der Frauenkirche gebracht.

Während der Enttrümmerung der Frauenkirche nach 1995 wurde der in über 200 Einzelteile zerfalle Grabstein kurz vor Abschluss der archäologischen Enttrümmerung aufgefunden. 1996 hat man nach mühevoller, einjähriger Restauration den Grabstein, ein Werk Johann Christian Feiges, wieder in der Unterkirche aufgestellt.

             Das Grabmahl trägt folgende Inschrift: 

"Nun hab ich genug gelebt, gebaut, gelitten. Mit Satan, Sünd und Welt genug gestritten. Jetzt liegt ich in dem Bau, der droben prangt. Hab vollen Sieg und Ruh und Fried erlangt. Nehmet, Liebste, Gott zum Mann und Vater an. In dessen Treu niemand verderben kann."

Die Zerstörung des Gotteshaus 1945

Die Ruine der Frauenkirche auf dem Neumarkt war bis 1994  ein bitteres Mahnmal für die sinnlose Zerstörung Dresdens durch angloamerikanische Bomber zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Heute, da die Trümmer wieder zusammengefügt wurden, ist sie ein Symbol für Versöhnung und Toleranz, für Wiederaufbau und gewachsenes Selbstbewusstsein der Stadt. Georg Bährs Frauenkirche bildete den Höhepunkt des barocken protestantischen Kirchenbaus. Ihre konkav geschwungene, glocken- förmige und gleichsam schwebende Sandsteinkuppel ist ein Novum der damaligen Baukunst und war bis zu ihrer Zerstörung ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadtsilhouette.  Der Wiederaufbau der Kirche erfolgte unter der Leitung von Baudirektor Eberhard Burger. Die Ausmalung der Kuppel sowie des gesamten Innenraumes übernahm Maler Christoph Wenzel und Restaurator Peter Taubert. Nun ist sie  Dank der Unterstützung von Menschen aus aller Welt in ihrer vollen Schönheit wiedererstanden. Die tausend geflossenen Tränen der Dresdner sind getrocknet. Nun gehört sie zum Stadtbild wie eh und je. Sorgen wir dafür, dass sich das Schicksal dieser Kirche nie wiederholt und der Frieden auf Erden als höchstes Gut der Menschheit für immer erhalten bleibt.

Impressionen der Neuen - Alten Kirche 2005

Hier an dieser Stelle könnten 1000 und mehr Fotos sein und es wäre noch nicht alles gezeigt. Die Kirche bietet eine Fülle von filigranen Schönheiten und strahlender Kostbarkeiten. Doch bei all diesem Prunk sollte man nicht die Todesopfer vergessen, die Ihr Leben für eine solche sinnlose Zerstörung dieser schönen Stadt unschuldig hingeben mussten. Auch für dieses Gedenken ist ein Platz in der Kirche geschaffen. Unterhalb des alten Turmkreuzes hat jeder die Möglichkeit eine Gedenk- oder Friedens- kerze zu entzünden. 

 

"Die Laterne" wie sie heute wieder erstrahlt.

 

Das alte Turmkreuz von 1738

 
 

Die Dresdner haben ein Werk vollbracht, welches in Deutschland seines Gleichen sucht. Mit Liebe, Fleiß und viel Elan habe sie einen fast hoffnungslosen Schuttberg in 10 Jahren zu einer Kirche heranwachsen lassen. Aus einer Idee wurde ein Kettenreaktion. Jeder hatte das Bedürfnis etwas Gutes dazu beizutragen und somit war der Wiederaufbau der Kirche zu einem innigsten Bedürfnis vieler Menschen auf der Welt geworden.

 
   

Die alte Silhouette von Elbflorenz ist nach  50 Jahren wieder hergestellt.

Auch diese Stifterkarte hat zum Wiederaufbau beigetragen.

 
 

Zur Einweihungsfeier der Kirche flossen viele  Tränen des Glücks und der unermesslichen Freude. Viele dachten an die Stunden zurück wo sie als Kinder oder als Brautpaar die Kirche betraten. Danach kamen 50 Jahre des Schmerzes und nun ist unsere   "Alte Dicke" auf einmal wieder da. Ist das nicht schön?

 
 

Der Taufstein, ein Kleinod der Kirche

Schauen Sie doch einfach mal rein. Erst dann kann man mich verstehen.

Reichlich und prunkvoll verziert, wie vor 300 Jahren.

 
         

 

Besuchen Sie Dresden und gönnen sie sich von der Kuppel der Frauenkirche diesen Panoramablick über die Stadt.

 

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