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Ansichten von Dresden und dessen Umgebung aus dem 18-ten Jahrhundert - Johann Carl August Richter - Geschichtssplitter
bearbeitet
von: Hans-Jürgen Haupt 2002 - 2003
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Johann Carl August Richter geboren am 29. März 1785 in Dresden. Richter war
Landschafts- und Architekturzeichner, Maler, Radierer, Kupferstecher und
Lithograph. Vor allem erstellte er zahlreiche Bilder sächsischer Städte dabei
vorwiegend Ansichten von
Dresden
und dessen Umgebung, welche er selbst radierte
und kolorierte. Über sein Leben ist wenig bekannt, dazu muss gesagt werden, dass
er in keiner Weise mit dem gleichnamigen Carl August Richter und dessen Sohn
Ludwig Richter verwandt ist. Johann Carl August war einer der seine Arbeit
verrichtete ohne dabei Ruhm zu erreichen. Seine Radierungen fast getreue
Wiedergaben des Objekts, welche man Vedute nennt, sind deshalb so interessant, da
sie eine Vielzahl Einzelheiten und Details enthalten, welche heute nur noch durch
eine Fotografie wiedergegeben werden. Die gleiche Technik wandte Bellotto/Canaletto
vor rund hundert Jahre vor Richter an. Diese Bilder dienten zunächst als
Mitbringsel für die Fremden, da jeder von seiner Reise erzählen möchte und zeigen
wo er gewesen ist. Dies sieht man auch an der Unterschrift, welche oft die Bezeichnung
"zu Dresden oder Prospekt" tragen. In seinen Ansichten sind die
Straßen, und Gebäude streng perspektivisch dargestellt.
Die
schönsten davon möchte ich auf dieser Seite vorstellen und einige Gedanken dazu äußern.
Weiterhin möchte ich mit diesen Radierungen Orte zeigen welche heute noch in
ihrer damaligen Konfiguration erhalten sind.
"Wer Dresden nicht sieht, hat nichts Schönes gesehen" schrieb Winkelmann im August 1749. Dieser Ausspruch behielt seine Berechtigung bis 1945. Nun soll dieser Ausspruch wieder Gültigkeit erlangen, doch Dresden so wie es einmal war wieder entstehen zu lassen ist wahrscheinlich wirtschaftlich nicht vertretbar und auch nicht Sinn und Zweck der Sache.
Der Platz vor der katholischen Hofkirche neben der Semper Oper, man trifft
ihn heute noch in gleicher Ausstrahlung an. Im Hintergrund die Frauenkirche, sie
wird in wenigen Monaten das Bild wieder komplettieren und den Eindruck
vermitteln die furchtbaren Tage der totalen Zerstörung wären an diesen
Bauwerken vorbeigegangen. Die Katholische
Hofkirche
1739-50 von Caetano Chiaveri erbaut, sie ist mit ihrem 91 m hohen Turm mit das
wohl imposanteste und schönste Bauwerk barocken Stils. In ihrer Krypta ruhen in
Steinsärgen die Mitglieder des königlichen Hauses von Friedrich August des II,
dem Gründer der Kirche und das Herz Friedrich August des Starken. Auch diese Kirche versank in Schutt und Asche, sie
wurde jedoch mittels zahlreichen Spenden schon in den fünfziger Jahren in Schritten
restauriert und ist somit der Nachwelt erhalten geblieben. Links daneben das Dresdner
Schloss mit dem Georgentor 1530-35 von Herzog Georg und Kürfürst August II.
erbaut und später 1890-1902 wurde es unter König Albert umfangreich erweitert
und zu einen einheitlichen Renaissancebau umgestaltet, ebenfalls diese Ansicht können sie noch heute in
voller Pracht genießen, auch hier sind schon zu DDR-Zeiten zahlreiche Restaurierungsarbeiten
durchgeführt worden, jedoch nie zum Abschluss gekommen. Im inneren
des Schlosses und des Georgentors sind noch zahlreiche Restaurierungsarbeiten im Gange und sie
werden auch noch einige Jahre in Anspruch nehmen, so mal das Schoss zu fast 99%
zerstört war und von der prachtvollen Innenausstattungen nicht mehr viel übrig
geblieben ist. In alten Reiseführern von Dresden kann man die Ausstattung der
einzelnen Räume nachlesen oder auf manchen alten Ansichtskarten ansehen. Ob die
Ausstattung wieder im alten Stiel erstehen werden ist fraglich und letzten Endes
auch eine Frage des Geldes.
Die Brühlsche Terrasse auch "Balkon
Europas" wie sie der Alte Fritz genannt hat. Ursprünglich war sie ein Teil des
Festungswalles und wurde durch Überbauung zu
dem was sie heute noch ist. Sie bildete den Garten zum Brühlschen Palast wo
heute das Ständehaus steht. Im Jahre 1814 wurde durch den russischen Gouverneur
der Stadt Fürst Repnin die Terrasse mit einer großzügigen Freitreppe versehen. Dadurch
wurde die Terrasse mit ihrer entzückenden Aussicht auf das andern Elbufer zum
Lieblingsausflugziel vieler Dresdner und deren Gäste. Von hier oben erblickt
man das Treiben auf dem Schlossplatz sowie dem Menschengewoge auf der neuen Friedrich
August Brücke. Man sieht die Ausflugsschiffe sowie die Lastkähne welche die
Elbe Strom auf und abwärts ziehen. Auch dieses Bauwerk ist in voller Größe
erhalten geblieben und wieder zu genießen, einige Bauten jedoch sind wahrscheinlich für immer verloren.
So ist das vornehme und viel besuchte Restaurant Belvedere, von welchen man einen
prächtigen Ausblick stromaufwärts über die im Kriege zerstörte Königin-Carola-Brücke
bis zu den noch heute befindlichen drei Albrecht-Schlösser. Die Carolabrücke
wurde zu DDR-Zeiten im modernen Baustiel an gleicher Stelle wieder errichtet.
Unterhalb des Restaurant Belvedere von der Strasse aus, befindet sich das
älteste Denkmal Dresdens, das Moritz Denkmal ( 1553 ) zum Andenken an den
Kurfürsten Moritz von seinem Bruder August errichtet. Dieses Denkmal ist noch
heute an gleicher Stelle zu sehen. Unter der Brühlschen Terrasse befinden sich
zahlreiche Kasematten sowie das noch heute älteste und einzige erhaltene
Stadttor Dresdens "Das Ziegeltor". Viele Jahrzehnte waren diese
Anlagen mit Schutt verfüllt, Dank freiwilliger Helfer der Kunsthochschule wurde
diese Anlage in mühevoller Kleinstarbeit über mehrere Jahren wieder freigelegt
und ist heute wieder zu begehen.
Der Dresdner Zwinger ein Paradestück eines in sehr üppigen Barockstil nach den Plänen August des Starken 1709-22 durch seinen Hofbaumeister Daniel Pöppelmann als Lustgarten des Schlosses erbaut. Noch heute mit einigen Veränderung vollständig erhalten. Der Zwinger hatte auch erhebliche Schäden im Krieg davon getragen wurde aber schon in den frühen Fünfziger Jahren wieder aufgebaut und unterlag einer ständigen Restaurierung. Der Innenhof beherbergt in der Mitte das kolossale Denkmal des Königs Friederich August II welches heute nicht mehr existiert. Ansonsten ist der Dresdner Zwinger noch heute in seiner vollen Pracht und Schönheit anzutreffen. Seine Größe beträgt117m x 107m und ist allseitig von einer einstöckichen Arkadengalerie umschlossen. In der Südseite eingebunden ist das so genannten Kronentor. Auf dieser Seite ist noch ein geringer Teil des wassergefüllten Stadtgraben zu sehen. Ost- und westseitig befinden sich jeweils im überschwänglich gehaltenen Barockstiel gehaltene zweistöckiche Portalpavillons. Der östliche davon beherbergt das berühmte Meissner Glockenspiel welches ebenfalls von den Schäden des Krieges befreit wurde. Die Nordseite welche einmal die Einbindung zum Schloss werden sollte, blieb viele Jahre unverändert und wurde erst 1847-54 durch das "Neue Museum" von Gottfried Semper abgeschlossen. Der Zwinger beherbergt eine Vielzahl von Museen und Ausstellungen und ist noch heute ein sehenswerter Anziehungspunkt für alle Besucher. Weiterhin werden in der Sommerperiode im Zwinger Konzerte und kleine Theaterstücke aufgeführt.
Die August Strasse, die
kürzeste Direktverbindung zwischen dem
Schlossplatz und dem Neustädter Markt
,
entlang des Fürstenzuges, welcher auf diesem Bild noch nicht zu sehen ist da er erst
am 12. Juli 1876 eine damalig einzigartige Wandmalerei welche aus einzelnen
Kalkschichten bestand und das 100 mtr lange Bild durch Wilhelm Walter, geboren
18.Oktober 1826 im erzgebirgischen Cämmerswalde, eingeritzt wurde. Jedoch
die Schönheit hielt nur 25 Jahre, dann fingen die Schichten auf Grund der
Luftfeuchte durch die nahe liegende Elbe, so nahm man an, abzublättern. Die
königliche Porzellanmalerei bot sich an diese Sgraffito auf Porzellankacheln zu übertragen und für immer haltbar zu machen. Das positive Echo im
Sächsischen Landtag veranlasste ein Auftragsvergabe und stellte dies unter der Aufsicht von
Walther welcher in zwischen 80 Jahre war. Im Jahre 1907 war dieses weltgrößtes
Porzellanbild, welches 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige des Hauses
Wettin vom Jahre 1089 bis zum Ende des 19. Jahrhundert in übergroßer
Lebensgröße darstellt, fertig gestellt und ist noch heute in voller Pracht zu
bestaunen.. Viele Tausende Besucher Dresdens und auch Dresdner selbst bummeln
über diese historische Meile in Richtung Frauenkirche, wo ja bereits die
wesentlichen Konturen dieser Kirche sichtbar werden, oder entgegengesetzt. Das rechte Gebäude
beherbergt den Stallhof, welcher ebenfalls sehr attraktiv ist und für jeden
Besucher ein Muss. Zur Weihnachtszeit befindet sich hier der historische
Weihnachtsmarkt Dresdens. Das linke Gebäude ist das Ständehaus und beherbergt
in einem Teil seiner Räumlichkeiten die Mineraliensammlung. Drehen wir uns
auf unserer Standfläche um 180o, so blicken wir direkt
auf die im Entstehen befindliche Frauenkirche und dem Neuen Markt, welcher in
seiner altertümlich anmutenden Schönheit vollkommen ein Opfer des Krieges
wurde. Das einzige
Gebäude welches den Krieg fast unbeschadet überstanden hat
ist das Johanneum mit seinem künstlerisch bedeutenden Freitreppe, welches
heute das Verkehrsmuseum beherbergt. Daneben ist heute noch das Portal
der früher evangelischen Schlosskapelle zu sehen. Ansonsten ist von den bürgerlichen
Häusern des Neumarktes nicht mehr zu vorhanden. Ob sie jemals zumindest in ihrer
Ansicht wieder entstehen werden ist heute noch fraglich. Es soll wie ich gelesen
habe schon Vorstellungen geben den Neuen Markt in seinen Schönheit wieder
entstehen zu lassen aber letztendlich spielt hier das Geld eine wesentliche
Rolle und wenn dies der Fall ist werden meist unter dem Gesichtspunkt der
Geschichte keine optimalen Lösungen getroffen. Dies sieht man heute schon bei
der Neubebauung des Altmarktes, auch hier ging es nur um Grund und Boden, die
Historische Ansicht des Altmarktes wurde dabei vollends vergessen. Hoffen wir, dass
solche Fehler ein Einzelstück bleiben. Natürlich gibt es dazu auch andere Meinungen.
Das ist nun das Historische Zentrum, welches den Krieg mehr oder weniger unbeschadet überlebt hat, viele noch als erhaltenswürdige Bauwerke waren nach dem Bombenangriff der angloamerikanischen Bomberstaffeln vorhanden und hätten durchaus wieder aufgebaut werden können, doch dann kam das zweite Übel, die Abrissbirne eines verantwortungslosen sozialistischen Regimes. Endlich nach 47 Jahren ist dies auch vorbei und Dresden kann wieder erblühen, große Schritte auf diesem Gebiet wurden bereits getätigt und werden wohl noch folgen. In wenigen Monaten wird das alte Stadtbild wie es auf dem ersten Bild zu sehen ist wieder hergestellt sein. Dann beginnt der Innenausbau der Frauenkirche um pünktlich zur 800 Jahrfeier im Jahr 2006 in vollen Glanze zu erstrahlen. Viele Dresdner haben an diesem Augenblick nicht mehr geglaubt und ich bin mir sicher es werden abertausend Tränen des Glücks fließen wenn dieser Augenblick gekommen ist. Auch ich werde zu diesem Zeitpunkt in Dresden weilen, schon weil meine Eltern diesem Zeitpunkt leider nicht mehr erleben können. Soweit meine Auszüge und Meinungen über den noch heute vorhandenen historischen Stadtkern, es soll ein Vorgeschmack sein wenn Sie Dresden besuchen.
Dieser Text wird bei neuen Erkenntnissen ständig überarbeitet. Das Bildmaterial entstammt meine persönlichen Sammlung.