Das
"Augusteische Zeitalter", die Regierungszeit der sächsischen Kurfürsten
Friedrich August I., des Starken, und seines einzigen legitimen Sohnes Friedrich August
II. (1699-1763, ab 1733 Kurfürst und als August III. polnischer König)
lenkte die wechselvolle Geschichte des Hauses Wettin erneut in eine andere Richtung. Zwar
hatte sich bereits der Vater Friedrich Augusts I., Johann Georg III., auf den
Schlachtfeldern des Kaisers gegen die Türken vor Wien militärischen Ruhm erworben - was
aber Friedrich August I., der wegen seiner großen Körperkraft und seines herrischen
Wesens "der Starke" genannt wurde, für sich und sein Fürstentum Sachsen
plante, zielte auf den Eintritt Sachsens in die große europäische Politik und die
Etablierung Sachsens als dritte deutsche Großmacht neben Brandenburg-Preußen und dem
Habsburgischen Österreich.
Der Weg dorthin war nicht leicht.
Dass Friedrich August überhaupt jemals in die Geschicke seines Landes würde eingreifen
können, war bei seiner Geburt am 12.5.1670 sehr unwahrscheinlich. Sein
älterer Bruder Johann Georg IV. war der Erbfolge nach Thronerbe, Friedrich August
musste
sich, auch das damals üblich, zunächst mit einer militärischen Laufbahn begnügen. Er
war damit jedoch zufrieden. Auch brachte ihm die Stellung als zweitgeborener Fürstensohn
große Freiheiten: 1687 bis 1689 reiste er durch die Staaten des
westlichen absolutistischen Europas, überall gerne gesehen und seinerseits vom
kulturellen Reichtum Frankreichs und Italiens begeistert und vom höfischen Prunk am Hofe
Ludwigs XIV. in Versailles tief beeindruckt.
Der unerwartete und kinderlose Tod seines Bruders, des Kurfürsten Johann Georg IV., am 27.4.1694
traf ihn gänzlich unvorbereitet.
Er, der sich auf dem Karneval in Venedig und auf den Festen des hohen Adels zuhause
fühlte, hatte noch keinerlei Erfahrung in der Führung einer Landesverwaltung. Was ihm an
Wissen fehlte, glich er durch Tatkraft und Schlauheit aus. Ohne Zögern übernahm er mit
gerade 24 Jahren die Regierungsgeschäfte.
Die Jahre 1695 und 1696 sahen ihn als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen mit viel Engagement, doch ohne Glück in Ungarn gegen die Türken kämpfen. Und kurze Zeit später machte er sich an die Verwirklichung seines größten politischen Vorhabens: der Erlangung der nach dem Tode Johann Sobieskis von Polen im Sommer 1696 freigewordenen polnischen Krone.
Zwei Hindernisse galt es auf diesem Weg zu überwinden: den Widerstand der Konkurrenten
und die in Polen
herrschende Regelung,
dass nur ein Katholik König werden konnte. Anders als in den Erbmonarchien Frankreichs
und auch Sachsens, in denen der Thron an den nächsten männlichen Verwandten des letzten
Herrschers, meist an dessen Sohn, vererbt wurde, herrschte in Polen Königswahl. Der Adel
des Landes entschied über Glück und Unglück der Bewerber.
Um die Nachfolge Johann Sobieskis bemühten sich neben Friedrich August I. noch andere
nach Land und Ruhm strebende deutsche und europäische Fürsten, allen voran der
französische Prinz Franz Ludwig von Conti. Conti konnte sich auf viele der
einflussreichen polnischen Königswähler stützen, unter ihnen auch das Oberhaupt der
polnischen Kirche, Kardinal Radziejowski. Der spät im Kreis der Anwärter erschienene
sächsische Kurfürst schien zunächst kaum Aussichten auf einen Erfolg bei der vom
polnischen Reichstag durchgeführten Wahl zu haben. Friedrich August der Starke aber
wandte alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf, um das Rennen doch noch für sich zu
entscheiden. Der deutsche Kaiser Leopold I. von Habsburg, mit dem Friedrich August
traditionell gute Beziehungen pflegte, und Zar Peter der Große setzten sich für ihn ein,
auch der päpstliche Nuntius in Polen stand auf Seiten des Sachsen. Den Ausschlag aber
gaben große Summen Bestechungsgelder, die Friedrich August durch seinen Berater, den
Grafen Jakob Heinrich von Flemming, an die entscheidenden Wähler zahlen ließ, um sie
sich gewogen zu machen. Große Teile des kurfürstlichen Schatzes wurden verkauft,
Ländereien abgetreten und Handelsrechte verkauft, um die nötigen Mittel aufzutreiben.
Flemming erwies sich als geschickter Vertreter seines Fürsten - und der Fürst selber
zeigte sich rücksichtslos im Verfolgen seiner Ziele.
Das Problem seiner protestantischen Konfession löste August der Starke auf ähnliche
Weise: heimlich ließ er sich von seinem zum Katholizismus übergetretenen Onkel Christian
August von Sachsen-Zeitz, der als Bischof von Raab in Ungarn residierte, in Wien im
katholischen Glauben unterrichten und trat darauf am 1. Juni 1697 zum katholischen
Glauben über. Somit hatte das kurfürstliche Sachsen, das Kernland der lutherischen
Reformation und des Protestantismus, wieder ein katholisches Oberhaupt. Als die Konversion
des Fürsten bekannt wurde, erhob sich in Sachsen ein Sturm der Entrüstung. August der
Starke aber ließ sich nicht beirren.
Am 27. Juli 1697 ließ er bekannt geben, dass sein Übertritt zum Katholizismus trotz der im Augsburger Religionsfrieden von 1555 getroffenen Vereinbarung (cuius regio, eins religio = die Konfession der Untertanen richtet sich nach der Konfession des Herrschers) keine Folgen für die kursächsische Bevölkerung habe.
Der Forderung des polnischen Wahlrechts war Genüge getan. Auch die Wahlpropaganda Augusts des Starken hatte Erfolg gezeigt. In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1697 wurden Friedrich August I. und der Prinz von Conti von ihren jeweiligen Parteigängern gleichzeitig zum polnischen König ausgerufen. Der sächsische Kurfürst stand zu dieser Zeit bereits mit einem Heer an der polnischen Grenze. Gleich nach Bekannt werden der Wahl marschierte er in Polen ein und konnte sich gegen die Konkurrenten durchsetzen. Am 15. September 1697 wurde er in der Krönungsstadt Krakau als August II. mit einer mitgebrachten Krone vom Bischof von Kujavien zum polnischen König gekrönt.
August der Starke ist mit seinem Erfolg nicht glücklich geworden. Als König von Polen
ließ er sich in eine Auseinandersetzung mit dem expandierenden Reich des Schwedenkönigs
Karl XII. ein. Im so genannten Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 verlor
August II. zunächst eine Schlacht nach der anderen gegen den militärisch überlegenen
Karl XII., der August II. 1704 schließlich als polnischen König
absetzte, 1706 gar Sachsen besetzte. Ein Jahr lang dauerte die
schwedische Besatzung und kostete den sächsischen Staat über 30 Millionen Taler. Erst
der Sieg des russischen Zaren über die Schweden ermöglichte August dem Starken 1709
die Rückkehr nach Polen und die Wiedereinsetzung als König. Und auch in den
folgenden Jahren bis zu seinem Tod 1733 gab es immer wieder Erhebungen
des Selbständigkeit gewohnten polnischen Adels, der sich gegen die absolutistischen
Ansprüche Augusts des Starken empörte.
Eine weitere Generation blieb Polen in Personalunion mit Sachsen verbunden. Auch Augusts
Sohn, Friedrich August II., der 1717 ebenfalls zum Katholizismus
übergetreten war, hatte Mühe, sich in Polen zu halten, nach seinem Tod 1763
ging die polnische Königskrone wieder verloren. Die Großmachtpläne der sächsischen
Herrscher hatten sich nicht verwirklichen lassen.
Der Begriff des "Augusteischen Zeitalters" verbindet sich heute eher mit der Zeit der kulturellen Blüte Sachsens zu Beginn des 18. Jahrhunderts als mit den hochfliegenden und meist gescheiterten politischen Ambitionen Augusts des Starken.
Die Prachtentfaltung, die August der Starke an den Höfen des
westlichen und südlichen Europas kennen gelernt hatte, versuchte er auch am Dresdner Hof
zu erreichen. Die Förderung von Architektur und Kunst, die großen Gemäldesammlungen wie
die Dresdner Gemäldegalerie und das "Grüne Gewölbe", die prächtigen barocken
Bauwerke wie das Schloss Moritzburg, der Dresdner Zwinger und die Dresdner Frauenkirche,
Erfindungen auf technischem und künstlerischem Gebiet, so etwa die Errichtung der ersten
abendländischen Porzellanmanufaktur in Meißen 1710, haben Dresden den
bewundernden Beinamen "Elbflorenz" gebracht und bis zum Zweiten Weltkrieg
erhalten.
Die heute erhaltenen Zeugnisse der Zeit Augusts des Starken sind jedoch teuer bezahlt.
Hohe Steuern und eine harte Politik gegen die Vertreter des Volkes, die Landstände, haben
erst die enormen Summen beschaffen helfen, die August der Starke für seine Pläne
benötigte. Summen, die auch das damals wirtschaftlich bereits blühende Sachsen nicht
ohne Schwierigkeiten aufbringen konnte.
Auch der rücksichtslose Umgang Augusts des Starken mit seiner Umgebung hat sein Bild bis
heute getrübt. Er zögerte nicht, in Ungnade gefallene Berater in Festungshaft setzen zu
lassen. Die mit ihm seit 1693 verheiratete Bayreuther Markgräfin
Christiane Eberhardine musste sich jahrelang die Zurücksetzung durch Augusts zahlreiche
Mätressen gefallen lassen. Sie starb am 5. September 1727 auf
Schloss
Pretzsch an der Elbe, wo sie jahrelang fern vom Hofe ihres Mannes gelebt hatte.
Am Ende seines Lebens litt August der Starke an den Folgen seines ausschweifenden
Lebenswandels. Die Zuckerkrankheit ließ ihn jedoch nicht enthaltsamer leben. Die
Vorschriften der Ärzte beachtete er nicht.
Bei seinem Tod am 1. Februar 1733 befand er sich nicht in Dresden,
sondern in Warschau. Sein Leichnam wurde in Krakau bestattet, sein Herz aber wurde nach
Dresden gebracht.
Das Reiterdenkmal (" Der Goldene Reiter "
) des Königs von Friedrich August I. (August der Starke, als König von Polen seit 1697
August II.) wurde 1736
aufgestellt. Das Kunstwerk ist eine von Ludwig Wiedemann ausgeführte Kupfertreibarbeit
deren Oberfläche mit Blattgold versehen ist.. Nach umfangreicher Restaurierung wurde das
Denkmal 1956 wieder aufgestellt und 1965 noch einmal neu
vergoldet. Dieser Vorgang wurde mit der Enthüllungsfeier am 21.06.03; 20:30Uhr
beendet und der Goldene Reiter erstrahlt wieder in alter gewohnter Pracht.
Dem " Goldenen Reiter " sind historische Eckbrunnen von Thomae (1742) zugeordnet.
Friedrich August der II der Starke geb. 1670 - 1733. Kurfürst von Sachsen seit 1694, König von Polen seit 1697 Verschwender und absolutistischer Monarch.
August der Starke ließ den Dresdner Zwinger bauen. Herrscher über Sachsen und König von Polen. Liebhaber unzähliger Frauen und Vater von wahrscheinlich 267 Kindern. Sammler und Verschwender , Erschaffer unzähliger einmaliger und kostbarer Sammlungen welche noch heute in Dresden zu bewundern sind.
Episoden aus dem Leben
August des Starken
Friedrich
,August der
Starke,
König
in Polen, Herzog zu Sachsen
Konzession zur
Beherbergung, sowie zum Ausschank von Wein und Stadtbieren. Günzel, dem Tode
nahe, wandte sich nochmals an den König mit der Bitte, diese ihm erteilte
Konzession auch auf seine Erben, eventuell sogar auf den jeweiligen Besitzer des
Grund und Bodens ausdehnen zu wollen. Und so hat denn der König seinem getreuen
Gottfried Günzel diese Bitte erfüllt, was insgesamt drei Urkunden, welche
auf starkem Pergament geschrieben und mit großen in Wachs gegossenen Siegeln
versehen sind, beurkundet ist. Von nun an wurde des Polenkönigs Wappen, der Weiße
Adler, als Aushängeschild
für die Herbergsstätte benützt. Weltberühmt, weit
über die Grenzen Deutschlands hinaus, ist diese althistorische Gaststätte, der
" Weisser Adler ", heute nun der Kernpunkt des beliebten Kurortes Weißer Hirsch
geworden. Hier findet der Heidepilgerer Ruhe und Erquickung.
Ich habe am 14.06.03 den Ort wo sich der " Weisser Adler " noch heute befindet aufgesucht und der erschütternde Zustand des Gebäudes lähmte meinen Blick. Ein großes Anwesen in sichtbar jämmerlichen Zustand, unbewirtschaftet und durch mannshohe Sichtbrecher übelster Art umgeben. Über der Eingangstür, welcher von der Natur fast vereinnahmt wurde, lassen sich die goldenen Letter des stolzen Namens "Weisser Adler" noch erkennen, aber ob sie jemals wieder im alten Glanz erstrahlen, möchte ich stark bezweifeln. Es war enttäuschend wie ein solch historischer Ort der Verwahrlosung preisgegeben wird. Ich hoffe, dass sich hier schnellstens ein Investor findet, denn sonst ist ein Stück Geschichte für immer und ewig ausgelöscht und unwiderruflich verloren. Sollte jemand darüber noch mehr wissen, oder Ansichten aus längst vergangenen Zeiten haben, so wäre es nett wenn man mir eine Info (z.B. übers Gästebuch) zu kommen ließe.
Anna Konstanze, Gräfin v. Cosel, brachte
im Frühjahr 1717, ein Jahr nach Ihrer Verbannung nach Stolpen, ein Kind zur
Welt. Da dieses uneheliche Kind nur aus der Beziehung von Friedrich August II.
hervorgehen konnte und dies unter allen Umständen am Hofe zu verheimlichen war,
wurde Gräfin v. Cosel gezwungen, sich von diesem Kind zu trennen und
Stillschweigen darüber zu wahren. Die
damals zu dienende Zofe der Gräfin,
sowie weiteres Dienstpersonal auf der Burg, die von diesem Kind wussten, wurden
vergiftet und das Kind selber, dem Hungertod im Wald ausgesetzt. Mag
es nun klingen wie im Märchen, ereignete sich am folgenden Tag der
Kindesaussetzung jene Begebenheit. Der Herzog von Chorgal,
im Dienste des König von Frankreich, war auf einer Reise durch Europa, im
Kurfürstentum Sachsen bei einer Cousine zu Besuch und hatte an jenem Tage an
einer Jagdgesellschaft teilgenommen. Etwas abseits der Gesellschaft fand er
reitend jenes ausgesetzte Kind, nahm es auf und da seine Cousine, bis dahin
kinderlos und bei Ihr auch keine Hoffnung bestand jemals Kinder zu gebären,
schenkte er Ihr jenes ausgesetzte Kind. Der Bub war wunderschön anzusehen und
erhielt den Namen Moritz Chorgal. ...Nachforschungen
ergaben, dass der Name Chorgal immer wieder in Historischen Zeitberichten zu
lesen war, jedoch die Schreibweise des Namen nicht immer die gleiche war. So
schrieb man den Namen lange Zeit Chorgall daraus folgte Jurgall, bis letzte
Überlieferungen den Namen Jorgal eindeutig mit dessen Vorfahren Chorgal
identifizieren konnten. Leider weis man heute sehr wenig über dessen Person und
es ist auch nicht bekannt, wo eventuelle Nachkommen leben. Fest steht, dass es
in Berlin eine Person gibt, die den Namen Jorgal trägt. Handelt es sich dabei
vielleicht um jenen Nachkommen, dessen Vorfahre einst im Walde ausgesetzt
wurde??? Diese Episode wurde mir freundlicher Weise von einem
Geschichtsfreund zur Verfügung gestellt.