Das Kurfürstentum Sachsen und die große europäische Politik

- Friedrich August 1. (der Starke) -

Kurfürst von Sachsen geb. 12.5.1670 in Dresden  gest. 1.2.1733 in Warschau, als August II. von 1697 bis zu seinem Tod König von Polen  

Geschichtssplitter bearbeitet von: Hans-Jürgen Haupt 1997 2003                                                                                                         

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August der Starke.jpg (28900 bytes) Das "Augusteische Zeitalter", die Regierungszeit der sächsischen Kurfürsten Friedrich August I., des Starken, und seines einzigen legitimen Sohnes Friedrich August II. (1699-1763, ab 1733 Kurfürst und als August III. polnischer König) lenkte die wechselvolle Geschichte des Hauses Wettin erneut in eine andere Richtung. Zwar hatte sich bereits der Vater Friedrich Augusts I., Johann Georg III., auf den Schlachtfeldern des Kaisers gegen die Türken vor Wien militärischen Ruhm erworben - was aber Friedrich August I., der wegen seiner großen Körperkraft und seines herrischen Wesens "der Starke" genannt wurde, für sich und sein Fürstentum Sachsen plante, zielte auf den Eintritt Sachsens in die große europäische Politik und die Etablierung Sachsens als dritte deutsche Großmacht neben Brandenburg-Preußen und dem Habsburgischen Österreich.

Der Weg dorthin war nicht leicht.
Dass Friedrich August überhaupt jemals in die Geschicke seines Landes würde eingreifen können, war bei seiner Geburt am 12.5.1670 sehr unwahrscheinlich. Sein älterer Bruder Johann Georg IV. war der Erbfolge nach Thronerbe, Friedrich August musste sich, auch das damals üblich, zunächst mit einer militärischen Laufbahn begnügen. Er war damit jedoch zufrieden. Auch brachte ihm die Stellung als zweitgeborener Fürstensohn große Freiheiten: 1687 bis 1689 reiste er durch die Staaten des westlichen absolutistischen Europas, überall gerne gesehen und seinerseits vom kulturellen Reichtum Frankreichs und Italiens begeistert und vom höfischen Prunk am Hofe Ludwigs XIV. in Versailles tief beeindruckt.
Der unerwartete und kinderlose Tod seines Bruders, des Kurfürsten Johann Georg IV., am 27.4.1694 traf ihn gänzlich unvorbereitet.
Er, der sich auf dem Karneval in Venedig und auf den Festen des hohen Adels zuhause fühlte, hatte noch keinerlei Erfahrung in der Führung einer Landesverwaltung. Was ihm an Wissen fehlte, glich er durch Tatkraft und Schlauheit aus. Ohne Zögern übernahm er mit gerade 24 Jahren die Regierungsgeschäfte.

Die Jahre 1695 und 1696 sahen ihn als Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen mit viel Engagement, doch ohne Glück in Ungarn gegen die Türken kämpfen. Und kurze Zeit später machte er sich an die Verwirklichung seines größten politischen Vorhabens: der Erlangung der nach dem Tode Johann Sobieskis von Polen im Sommer 1696 freigewordenen polnischen Krone.

Zwei Hindernisse galt es auf diesem Weg zu überwinden: den Widerstand der Konkurrenten und die in PolenAugust2.jpg (11988 bytes) herrschende Regelung, dass nur ein Katholik König werden konnte. Anders als in den Erbmonarchien Frankreichs und auch Sachsens, in denen der Thron an den nächsten männlichen Verwandten des letzten Herrschers, meist an dessen Sohn, vererbt wurde, herrschte in Polen Königswahl. Der Adel des Landes entschied über Glück und Unglück der Bewerber.
Um die Nachfolge Johann Sobieskis bemühten sich neben Friedrich August I. noch andere nach Land und Ruhm strebende deutsche und europäische Fürsten, allen voran der französische Prinz Franz Ludwig von Conti. Conti konnte sich auf viele der einflussreichen polnischen Königswähler stützen, unter ihnen auch das Oberhaupt der polnischen Kirche, Kardinal Radziejowski. Der spät im Kreis der Anwärter erschienene sächsische Kurfürst schien zunächst kaum Aussichten auf einen Erfolg bei der vom polnischen Reichstag durchgeführten Wahl zu haben. Friedrich August der Starke aber wandte alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf, um das Rennen doch noch für sich zu entscheiden. Der deutsche Kaiser Leopold I. von Habsburg, mit dem Friedrich August traditionell gute Beziehungen pflegte, und Zar Peter der Große setzten sich für ihn ein, auch der päpstliche Nuntius in Polen stand auf Seiten des Sachsen. Den Ausschlag aber gaben große Summen Bestechungsgelder, die Friedrich August durch seinen Berater, den Grafen Jakob Heinrich von Flemming, an die entscheidenden Wähler zahlen ließ, um sie sich gewogen zu machen. Große Teile des kurfürstlichen Schatzes wurden verkauft, Ländereien abgetreten und Handelsrechte verkauft, um die nötigen Mittel aufzutreiben. Flemming erwies sich als geschickter Vertreter seines Fürsten - und der Fürst selber zeigte sich rücksichtslos im Verfolgen seiner Ziele.
Das Problem seiner protestantischen Konfession löste August der Starke auf ähnliche Weise: heimlich ließ er sich von seinem zum Katholizismus übergetretenen Onkel Christian August von Sachsen-Zeitz, der als Bischof von Raab in Ungarn residierte, in Wien im katholischen Glauben unterrichten und trat darauf am 1. Juni 1697 zum katholischen Glauben über. Somit hatte das kurfürstliche Sachsen, das Kernland der lutherischen Reformation und des Protestantismus, wieder ein katholisches Oberhaupt. Als die Konversion des Fürsten bekannt wurde, erhob sich in Sachsen ein Sturm der Entrüstung. August der Starke aber ließ sich nicht beirren.

Am 27. Juli 1697 ließ er bekannt geben, dass sein Übertritt zum Katholizismus trotz der im Augsburger Religionsfrieden von 1555 getroffenen Vereinbarung (cuius regio, eins religio = die Konfession der Untertanen richtet sich nach der Konfession des Herrschers) keine Folgen für die kursächsische Bevölkerung habe.

Der Forderung des polnischen Wahlrechts war Genüge getan. Auch die Wahlpropaganda Augusts des Starken hatte Erfolg gezeigt. In der Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1697 wurden Friedrich August I. und der Prinz von Conti von ihren jeweiligen Parteigängern gleichzeitig zum polnischen König ausgerufen. Der sächsische Kurfürst stand zu dieser Zeit bereits mit einem Heer an der polnischen Grenze. Gleich nach Bekannt werden der Wahl marschierte er in Polen ein und konnte sich gegen die Konkurrenten durchsetzen. Am 15. September 1697 wurde er in der Krönungsstadt Krakau als August II. mit einer mitgebrachten Krone vom Bischof von Kujavien zum polnischen König gekrönt.

August der Starke ist mit seinem Erfolg nicht glücklich geworden. Als König von Polen ließ er sich in eine Auseinandersetzung mit dem expandierenden Reich des Schwedenkönigs Karl XII. ein. Im so genannten Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 verlor August II. zunächst eine Schlacht nach der anderen gegen den militärisch überlegenen Karl XII., der August II. 1704 schließlich als polnischen König absetzte, 1706 gar Sachsen besetzte. Ein Jahr lang dauerte die schwedische Besatzung und kostete den sächsischen Staat über 30 Millionen Taler. Erst der Sieg des russischen Zaren über die Schweden ermöglichte August dem Starken 1709 die Rückkehr nach Polen und die Wiedereinsetzung als König. Und auch in den folgenden Jahren bis zu seinem Tod 1733 gab es immer wieder Erhebungen des Selbständigkeit gewohnten polnischen Adels, der sich gegen die absolutistischen Ansprüche Augusts des Starken empörte.
Eine weitere Generation blieb Polen in Personalunion mit Sachsen verbunden. Auch Augusts Sohn, Friedrich August II., der 1717 ebenfalls zum Katholizismus übergetreten war, hatte Mühe, sich in Polen zu halten, nach seinem Tod 1763 ging die polnische Königskrone wieder verloren. Die Großmachtpläne der sächsischen Herrscher hatten sich nicht verwirklichen lassen.

Der Begriff des "Augusteischen Zeitalters" verbindet sich heute eher mit der Zeit der kulturellen Blüte Sachsens zu Beginn des 18. Jahrhunderts als mit den hochfliegenden und meist gescheiterten politischen Ambitionen Augusts des Starken.

friedrichauguststarken1.jpg (34156 bytes)Die Prachtentfaltung, die August der Starke an den Höfen des westlichen und südlichen Europas kennen gelernt hatte, versuchte er auch am Dresdner Hof zu erreichen. Die Förderung von Architektur und Kunst, die großen Gemäldesammlungen wie die Dresdner Gemäldegalerie und das "Grüne Gewölbe", die prächtigen barocken Bauwerke wie das Schloss Moritzburg, der Dresdner Zwinger und die Dresdner Frauenkirche, Erfindungen auf technischem und künstlerischem Gebiet, so etwa die Errichtung der ersten abendländischen Porzellanmanufaktur in Meißen 1710, haben Dresden den bewundernden Beinamen "Elbflorenz" gebracht und bis zum Zweiten Weltkrieg erhalten.

Die heute erhaltenen Zeugnisse der Zeit Augusts des Starken sind jedoch teuer bezahlt. Hohe Steuern und eine harte Politik gegen die Vertreter des Volkes, die Landstände, haben erst die enormen Summen beschaffen helfen, die August der Starke für seine Pläne benötigte. Summen, die auch das damals wirtschaftlich bereits blühende Sachsen nicht ohne Schwierigkeiten aufbringen konnte.
Auch der rücksichtslose Umgang Augusts des Starken mit seiner Umgebung hat sein Bild bis heute getrübt. Er zögerte nicht, in Ungnade gefallene Berater in Festungshaft setzen zu lassen. Die mit ihm seit 1693 verheiratete Bayreuther Markgräfin Christiane Eberhardine musste sich jahrelang die Zurücksetzung durch Augusts zahlreiche Mätressen gefallen lassen. Sie starb am 5. September 1727 auf Schloss Pretzsch an der Elbe, wo sie jahrelang fern vom Hofe ihres Mannes gelebt hatte.

Am Ende seines Lebens litt August der Starke an den Folgen seines ausschweifenden Lebenswandels. Die Zuckerkrankheit ließ ihn jedoch nicht enthaltsamer leben. Die Vorschriften der Ärzte beachtete er nicht.
Bei seinem Tod am 1. Februar 1733 befand er sich nicht in Dresden, sondern in Warschau. Sein Leichnam wurde in Krakau bestattet, sein Herz aber wurde nach Dresden gebracht.

Das Reiterdenkmal (" Der Goldene Reiter " ) des Königs von Friedrich August I. (August der Starke, als König von Polen seit 1697 August II.) wurde 1736 aufgestellt. Das Kunstwerk ist eine von Ludwig Wiedemann ausgeführte Kupfertreibarbeit deren Oberfläche mit Blattgold versehen ist.. Nach umfangreicher Restaurierung wurde das Denkmal 1956 wieder aufgestellt und 1965 noch einmal neu vergoldet. Dieser Vorgang wurde mit der Enthüllungsfeier am 21.06.03; 20:30Uhr beendet und der Goldene Reiter erstrahlt wieder in alter gewohnter Pracht.

Dem " Goldenen Reiter " sind historische Eckbrunnen von Thomae (1742) zugeordnet.

Friedrich August der II der Starke geb. 1670 - 1733. Kurfürst von Sachsen seit 1694, König von Polen seit 1697 Verschwender und absolutistischer Monarch.

August der Starke ließ den Dresdner Zwinger bauen. Herrscher über Sachsen und König von Polen. Liebhaber unzähliger  Frauen und Vater von wahrscheinlich 267 Kindern. Sammler und Verschwender , Erschaffer unzähliger einmaliger und kostbarer Sammlungen welche noch heute in Dresden zu bewundern sind.

 

Episoden aus dem Leben August des Starken  

Friedrich ,August der Starke, König in Polen, Herzog zu Sachsen  wurde bei einem Spaziergang in der Dresdner Heide im Jahre 1725 durch Gottfried Günzel, Besitzer der Lohschänke an der Stolpeneer Straße, hinter dem Dorfe Loschwitz gelegen, wie es in der noch heute vorhandenen Urkunde heißt, von einem »sehr gefährlichen Falle« gerettet. Als Belohnung für sein tatkräftiges Eingreifen erteilte ihm der König auf Lebenszeit die Konzession zur Beherbergung, sowie zum Ausschank von Wein und Stadtbieren. Günzel, dem Tode nahe, wandte sich nochmals an den König mit der Bitte, diese ihm erteilte Konzession auch auf seine Erben, eventuell sogar auf den jeweiligen Besitzer des Grund und Bodens ausdehnen zu wollen. Und so hat denn der König seinem getreuen Gottfried Günzel diese Bitte erfüllt, was   insgesamt drei Urkunden, welche auf starkem Pergament geschrieben und mit großen in Wachs gegossenen Siegeln versehen sind, beurkundet ist. Von nun an wurde des Polenkönigs Wappen, der  Weiße Adler, als Aushängeschild für die Herbergsstätte benützt.  Weltberühmt, weit über die  Grenzen Deutschlands hinaus, ist diese althistorische Gaststätte, der " Weisser Adler ", heute nun der Kernpunkt des beliebten Kurortes Weißer Hirsch geworden. Hier findet der Heidepilgerer Ruhe und Erquickung. 

Ich habe am 14.06.03 den Ort wo sich der " Weisser Adler " noch heute befindet aufgesucht und der erschütternde Zustand des Gebäudes lähmte meinen Blick. Ein großes Anwesen in sichtbar jämmerlichen Zustand, unbewirtschaftet und durch mannshohe Sichtbrecher übelster Art umgeben. Über der Eingangstür, welcher von der Natur fast vereinnahmt wurde, lassen sich die goldenen Letter des stolzen Namens "Weisser Adler" noch erkennen, aber ob sie jemals wieder im alten Glanz erstrahlen, möchte ich stark bezweifeln. Es war enttäuschend wie ein solch historischer Ort der Verwahrlosung preisgegeben wird. Ich hoffe, dass sich hier schnellstens ein Investor findet, denn sonst ist ein Stück Geschichte für immer und ewig ausgelöscht und unwiderruflich verloren. Sollte jemand darüber noch mehr wissen, oder Ansichten aus längst vergangenen Zeiten haben, so wäre es nett wenn man mir eine Info (z.B. übers Gästebuch) zu kommen ließe. 

Anna Konstanze, Gräfin v. Cosel, brachte im Frühjahr 1717, ein Jahr nach Ihrer Verbannung nach Stolpen, ein Kind zur Welt. Da dieses uneheliche Kind nur aus der Beziehung von Friedrich August II. hervorgehen konnte und dies unter allen Umständen am Hofe zu verheimlichen war, wurde Gräfin v. Cosel gezwungen, sich von diesem Kind zu trennen und Stillschweigen darüber zu wahren. Die damals zu dienende Zofe der Gräfin, sowie weiteres Dienstpersonal auf der Burg, die von diesem Kind wussten, wurden vergiftet und das Kind selber, dem Hungertod im Wald ausgesetzt. Mag es nun klingen wie im Märchen, ereignete sich am folgenden Tag der Kindesaussetzung jene Begebenheit. Der Herzog von Chorgal, im Dienste des König von Frankreich, war auf einer Reise durch Europa, im Kurfürstentum Sachsen bei einer Cousine zu Besuch und hatte an jenem Tage an einer Jagdgesellschaft teilgenommen. Etwas abseits der Gesellschaft fand er reitend jenes ausgesetzte Kind, nahm es auf und da seine Cousine, bis dahin kinderlos und bei Ihr auch keine Hoffnung bestand jemals Kinder zu gebären, schenkte er Ihr jenes ausgesetzte Kind. Der Bub war wunderschön anzusehen und erhielt den Namen Moritz Chorgal. ...Nachforschungen ergaben, dass der Name Chorgal immer wieder in Historischen Zeitberichten zu lesen war, jedoch die Schreibweise des Namen nicht immer die gleiche war. So schrieb man den Namen lange Zeit Chorgall daraus folgte Jurgall, bis letzte Überlieferungen den Namen Jorgal eindeutig mit dessen Vorfahren Chorgal identifizieren konnten. Leider weis man heute sehr wenig über dessen Person und es ist auch nicht bekannt, wo eventuelle Nachkommen leben. Fest steht, dass es in Berlin eine Person gibt, die den Namen Jorgal trägt. Handelt es sich dabei vielleicht um jenen Nachkommen, dessen Vorfahre einst im Walde ausgesetzt wurde???  Diese Episode wurde mir freundlicher Weise von einem Geschichtsfreund zur Verfügung gestellt.